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Man nannte sie einen wunderlichen Charakter. Viele behaupteten, sie sei unliebenswürdig und kaltherzig, während wenige versicherten, hinter ihrem kühlen Wesen verberge sich ein tiefes Gefühl, das ängstlich versteckt werde. Wer in einem Elternhaus mit militärischer Präzision aufgewachsen sei, müsse weichere Regungen des Herzens als Gefühlsduselei erachten. Fräulein Malwine von Ries sei das Ebenbild ihres Vaters, ein Soldat in Mädchenkleidern. Sie sei sich der Bedeutung von Pflichtgefühl, Ehre und Rechtschaffenheit bewusst, doch die leidenschaftlichen Interessen ihrer Altersgenossinnen, wie das Lesen lyrischer Gedichte oder das Schwärmen im Mondenschein, seien ihr unverständlich und zuwider. Ob sie jemals lieben könne? Der Gedanke schien ebenso absurd wie der Plan eines Sternforschers, zwischen Mars und Erde einen Meinungsaustausch zu führen. Fräulein Malwine als Braut! Welch Ironie für all die lieblichen Traditionen, die mit diesem Wort verbunden sind! Wenn man das große, stramme Mädchen sah, das mit eisernem Fleiß zwischen Kochtöpfen und Besen hantierte, kam es selbst den phantasiebegabtesten Menschen nicht in den Sinn, sich Fräulein von Ries als kosende, innig anschmiegende Herzliebste vorzustellen.
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Der verlorene Sohn, Nataly von Eschstruth
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