Kleine Geschichte des SDS
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Kein Ereignis der Nachkriegszeit traf die bundesrepublikanischen Linken und Grünen so unvorbereitet wie die Wiedervereinigung. Dabei vergisst man, wie Tilman Fichter und Siegward Lönnendonker in ihrer Untersuchung herausarbeiten, dass die charismatische Führungspersönlichkeit des SDS, Rudi Dutschke, leidenschaftlich für eine Wiedervereinigung eintrat. Der Band behandelt neben diesem Interesse Dutschkes an der nationalen Frage viele andere verdrängte oder unbekannte Zusammenhänge im Verhältnis zwischen der deutschen Studentenbewegung und der DDR. Die Mutmaßungen über eine „Fernsteuerung“ des SDS durch Stasi-Agenten werden dabei ebenso als Geschichtsfälschung entlarvt wie Vermutungen über ideologische Gemeinsamkeiten zwischen den Studenten und dem DDR-Sozialismus: Die Differenzen zwischen den sozialistischen Studenten im Westen und den verknöcherten Staatssozialisten der DDR konnten größer kaum sein. Die Kontakte der SPD-Führung zur DDR waren vielfach enger und besser als jene der aus der SPD ausgeschlossenen linken SDSler zu den Staatssozialisten im Osten. Das Buch lädt ein zu einer Reise in die deutsch-deutsche Vergangenheit. Die Analyse der Autoren und viele Dokumente ermöglichen Entdeckungen im Spannungsfeld von Stasi, Staatssozialismus und Studentenrevolte. Mit Vorworten von Rolf Schneider und Christian Semler.
Eigentlich überfällig - eine überarbeitete Neuausgabe der vor 20 Jahren erschienenen, damals weit verbreiteten "Kleinen Geschichte des SDS" (BA 7/78, 214), die kenntnisreich die bewegte Geschichte des Studentenverbandes von der Gründung 1946 bis zur Selbstauflösung 1970 dargestellt und jetzt auch neuere Erkenntnisse aus seitdem veröffentlichten wissenschaftlichen Arbeiten und Stasi-Akten einbezieht. Die wissenschaftliche Arbeit von W. Albrecht: "Der Sozialistische Deutsche Studentenbund (SDS)" (ID 13/95) ist insofern nicht vergleichbar, als sie vor der Phase der Studentenbewegung abschließt. Der vorliegende Titel ist aufschlußreich ebenso zur Geschichte der SPD wie zur Veränderung der politischen Kultur in der BRD und durchaus von aktuellem Interesse, zumal Überreste der "Achtundsechziger" inzwischen in der Bundesregierung angekommen sind. (2) (Ingrid Wrase)
Die Linke zwischen Antisemitismus und Israelkritik: Dokumentation einer Arbeitstagung in der Evangelischen Akademie Arnoldshain, August 1984