Wer den Portugiesenfriedhof in Hamburg-Altona betritt, begibt sich in eine verwirrende Buchstaben- und Bilderwelt, in ein Freiluftmuseum mit gelehrten Bibelzitaten und kunstvollen Gedichten, dekorativen Symbolen und biblischen Bildern, wahren und erfundenen Genealogien, die ein vergangenes Leben „jüdisch” imaginieren und zu Lese- und Studienmaterial verewigen. Die Namen der Verstorbenen erinnern und sprechen für die Toten, einzeln und im Kollektiv. Inschriften, Symbole und biblische Szenen lehren die „Vorbeiziehenden des Lebens“ nicht nur das Sterben, sondern ermahnen und unterrichten sie, wie ein Jude leben soll. Die Toten im „Haus des Lebens“ teilen uns ihre Einstellung zum Tod mit und gewähren uns Einblick in ihr Leben und die kulturelle Selbstverortung der Juden ihrer Zeit – und verwandeln so die Kunst des Sterbens in eine Kunst des Lebens.
Ein Hamburger Streit um die Unsterblichkeit der Seele
Der in Schrift und Gegenschrift ausgefochtene Streit zwischen dem zeitweise in Hamburg lebenden Zuckerhändler und Religionskritiker Uriel da Costa (1584–1640) und dem Hamburger Arzt Dr. Semuel da Silva (ca. 1570–1631) über die Unsterblichkeit der Seele und die Göttlichkeit des Mündlichen Gesetzes im Judentum sorgte in den jungen Portugiesengemeinden in Hamburg und Amsterdam für großen Aufruhr unter den ins normative Judentum zurückkehrenden iberischen Neuchristen. Die Schrift des Religionskritikers wurde eingezogen bzw. verbrannt, ihr Verfasser mit dem Bannfluch (herem) belegt. Nach dem zweiten öffentlichen Widerruf und einem entwürdigenden Bußritual (malkut) in der Amsterdamer Synagoge setzte Uriel da Costa im April 1640 seinem Leben mit der Pistole ein Ende. Seine dramatische Lebensgeschichte liegt u. a. dem Theaterstück Uriel Acosta (1847) von Karl Gutzkow sowie den Romanen Uriel da Costa oder die Tragödie der Gesinnung (Josef Kastein, 1932), Ein Gewürm der Erde (Augustina Bessa-Luís, 1984) und Die Vertreibung aus der Hölle (Robert Menasse, 2001) zugrunde.
Mit Tänzen, Gesang und Bußpredigten begrüßen 1665 die Hamburger Juden die Nachricht von dem in Gaza zum Messias ausgerufenen Sabbatai Zwi. Sie verkaufen ihre Häuser und bereiten ihre Reise ins Heilige Land vor. Das Leben und Wirken von Sabbatai Zwi sowie der messianische Taumel der Hamburger Portugiesen findet seinen religiösen, literarischen und historischen Niederschlag in zahllosen zeitgenössischen Hamburger Presseberichten, Gemeindearchivalien, Predigten, Streitschriften, Briefen von Rabbinern und Kaufleuten sowie den Memoiren der Glückel von Hameln
Moses Wessely (1737-1792) war ein bedeutender Vertreter der jüdischen Aufklärung, der sich von seinem jüdischen Milieu entfernte. Er setzte sich für die bürgerliche Gleichstellung der Juden und das Recht auf Bildung ein. Als Nationalökonom und Literaturkritiker pflegte er Freundschaften mit Mendelssohn und Lessing und beeinflusste die Aufklärung in Altona und Hamburg.
Seit mehr als vier Jahrhunderten leben deutsche und iberische Juden in Hamburg. Ihre Synagogen und Betstuben, Schulen, Stifts- und Vereinshäuser und historischen Friedhöfe sind noch immer im Stadtbild präsent. Mit reich bebilderten historischen Spazier- und Rundgängen im 'Klein-Jerusalem' am Grindel, in Altona, Wandsbek und Harburg-Wilhelmsburg, einem umfassenden Ortslexikon und mit Einträgen zu Ereignissen, Personen und Institutionen wird das jüdische Hamburg in diesem Buch erfahrbar und seine verschwundenen Spuren wieder sichtbar. Die gut lesbaren Texte ermöglichen einen sofortigen Einstieg ins Thema, die Karten eine leichte Umsetzung der Rundgangsvorschläge. Der an schnellen Informationen interessierte Leser findet neben einer Zeittafel und einem Glossar jüdischer Begriffe auch praktische Hinweise auf das Hamburger jüdische Leben heute – wie etwa in der Talmud Tora Schule –, ergänzt um stimmungsvolle historische Fotos von Eduard Duckesz sowie aktuelle Aufnahmen und Porträts.
Kontrastreiche Natur – Wo Gipfelstürmer Meerblick genießen – Bonifacio – Festungsstadt in spektakulärer Lage über dem Meer – Mit Straßenkarte – Neu Straßenkarte zum Herausnehmen
127pages
5 heures de lecture
Mehrfach ausgezeichnet als bester Kompakt-Reiseführer: 1. Platz ITB BuchAward! Jetzt neu mit herausnehmbarer Straßenkarte zusätzlich zum Kartenatlas. Ebenfalls neu: das MERIAN-Quiz. Gewinnen Sie Monat für Monat attraktive Preise. Der Korse Napoleon begann einst von der entlegenen Mittelmeerinsel aus seinen Siegeszug durch Europa. Heute kommen in seiner Heimat Sportler, Naturfreunde, Historiker oder Feinschmecker auf ihre Kosten. Das Meer ist nie weit: Malerische Felsstraßen schlängeln sich an den Küsten entlang, schmale Sandbuchten, von Pinien umgeben, locken zum Baden. Uralte Megalithen stehen in Reih und Glied. Kolossale, im Winter schwer zugängliche Felsmassive bilden eine Art Grenze zwischen dem Nordosten und dem Südwesten der Insel - eine natürliche Teilung, die vor der Eroberung durch französische Truppen auch eine historische war. Korsika will entdeckt werden, ist viel zu abwechslungsreich für den reinen Badeurlaub. Nicht nur die geografische Dualität und die bewegte Vergangenheit der mediterranen Insel bieten reizvolle Angebote für Urlauber. Der MERIAN live! Korsika führt durch romantische Berg- und Küstenregionen, zeigt die schönsten Sehenswürdigkeiten in Bastia und der Hauptstadt Ajaccio und berichtet von den köstlichsten kulinarischen Spezialitäten. Dazu gibt es Tipps und Empfehlungen von A bis Z zum Übernachten, Bummeln, Ausgehen, Einkaufen, Essen und Trinken. Mit dem Essdolmetscher findet man sich auf der Speise- und Weinkarte leicht zurecht. Ca. 60 Farbfotos, 12 Seiten Kartenatlas, 2 Übersichtskarten, 6 Stadtpläne, Sprachführer und Essdolmetscher sowie MERIAN-TopTen und MERIAN-Tipps. MERIAN-Spezial-Thema: Nostalgie im TGV-Zeitalter - Mit der Inselbahn Micheline auf Entdeckungstour
Wo sind die Spuren der portugiesischen Einwanderer in Hamburg? Michael Studemund-Halévy berichtet über die Handelsbeziehungen zwischen Hamburg und Lissabon, die schon seit dem 17. Jahrhundert bestehen, und über die sefardischen Juden, die sich in Hamburg und Altona niederließen, nachdem sie aus Portugal vertrieben wurden. Die Hamburger jüdischen Friedhöfe erzählen ihre eigenen Geschichten von Portugiesen, die vor fast 400 Jahren nach Hamburg kamen, hier lebten und starben. Nachdem die jüdisch-stämmigen Portugiesen 1933 fliehen mussten, kamen in den sechziger Jahren portugiesische Gastarbeiter in die Hansestadt und ließen ihre Kultur wieder aufleben. Anschaulich und einfühlsam berichtet der Autor nicht nur über die Geschichte der Hamburger Portugiesen, sondern erzählt auch aktuelle Beispiele von Menschen, die zwischen zwei Kulturen leben. Eine Chronik beschließt das umfangreiche und informative Buch über Portugal in Hamburg.