I. smet Elc i. Livres






Richtung der Anderen
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Ich muss Petra hier zustimmen. Erinnert mich doch der Name an ein Mädchen in unserem Dorf, das … nun, sagen wir es so, ob ihrer zahlreichen Männerbekanntschaften einen etwas zweifelhaften Ruf genoss. Dagmar argumentiert, ihren Namen gäbe es halt im Türkischen nicht! Deshalb bleibe es bei Emine. Dagmar finde sie geradezu plump dagegen! Das ist es, was ich meine: Sie schafft sich eine fremde Persönlichkeit. Ich finde das weder authentisch noch anziehend. Wenn ich eine Kurdin zur Frau nehmen möchte, suche ich mir eine Kurdin. Wenn ich eine Deutsche heiraten will.
„Gibt es sie denn wirklich?“ frage ich unsicher. „Wirklichkeit und Unwirklichkeit, wer will sie so genau immer unterscheiden?“ meint Mutter. „Das Leben gleicht oft einem fein gesponnenen Märchen. Aber jeder hat es in der Hand, sein Märchen wahr werden zu lassen – wenn es ein gutes Märchen ist.“ Alle, einschließlich der Esel, lagerten ermüdet am Wegesrand. Wir aber begannen zu träumen, eine U-Bahn-Strecke mit einem Bahnhof zu bauen. Als wir damit anfingen, versicherte uns Rihan, nicht eher zu sterben, bis der U-Bahnhof in Betrieb genommen sein werde. Und so bauten wir jahraus, jahrein an einer U-Bahnlinie, die Kurdistan durchquerte.
