»Ehen zwischen Cousins und Cousinen werden im Himmel geschlossen«, heißt es in Persien. Teheran, Anfang der dreißiger Jahre: Nachdem die selbstbewußte Mahbube mit ihren fünfzehn Jahren den Sohn einer Prinzessin abgelehnt hat, weist sie auch ihren Cousin zurück, der in sie verliebt ist. Warum? Das Mädchen hat sich in einen jungen Schreiner verguckt, und sie besteht auf ihre Wahl. Wider Willen ringt der Vater sich dazu durch, ihr nachzugeben. Aber Mahbubes Leidenschaft ist den Bedingungen dieser Ehe nicht gewachsen. Die junge Frau findet sich mit Ärmlichkeit und verletzenden Umgangsformen nicht ab. Als verlorene Tochter kehrt sie zurück – um die Nebenfrau ausgerechnet des abgewiesenen Cousins zu werden. Jetzt, als »Geliebte der Nacht«, lernt sie ihn lieben, aber sie hat ihn nicht für sich allein. Alles, was sie erreicht, ist ein Glück, das schmerzt.Alt geworden, erzählt Mahbube im Teheran der Gegenwart ihrer Nichte, die sich ebenfalls in den Kopf gesetzt hat, »unpassend« zu heiraten, ihr Leben: »Der nächtliche Wein ist nicht den Morgen der Trunkenheit wert.«
Fattāna Ḥāǧǧ Saiyid Ǧawādī Livres


Vom Auto angefahren, weil er unaufmerksam und in Gedanken bei seiner Jugendliebe war, liegt der Schlagerkomponist verletzt auf der Straße mitten in Isfahan. Muß ich sterben? denkt er. Warum nicht? Aber noch kitzeln ihn Erinnerungen an die Freundin, der er sein bestes Lied widmete. Sie wies ihn ab, und er rächte sich dafür – an seiner Frau. Scharfzüngig und mit Gefühl rückt die Erfolgsautorin des Romans Der Morgen der Trunkenheit in diesen acht Erzählungen der iranischen Gegenwart zu Leibe.