Hans Arp and the United States
Aufsatzsammlung, Schriftenreiehe der Stiftung -arp e.V., Band 1
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Aufsatzsammlung, Schriftenreiehe der Stiftung -arp e.V., Band 1
Die Erinnerung an das Reich der mittelalterlichen Könige und Kaiser nahm in der nationalsozialistischen Geschichts- und Kulturpolitik eine herausragende Stellung ein. Das Reich Karls des Großen und die Jahrhunderte der „deutschen Kaiserzeit“, die Zeit der Ottonen, Salier und Staufer, galten als erste Phase „deutscher Größe“ und als Vorwegnahme und historische Rechtfertigung des von den Nationalsozialisten angestrebten „großgermanischen Reiches“. Von dieser völkisch-nationalistischen Deutung des Mittelalters, deren Wurzeln bis ins 19. Jahrhundert zurückreichen, blieb auch die Sicht auf die mittelalterliche Kunst nicht unbeeinflusst. Im Mittelalter wurde der Anfang „deutscher Kunst“ gesucht, in der mittelalterlichen Kunst sah man einen frühen Ausdruck des deutschen Nationalcharakters, und entsprechend konnte sie sowohl als Vorbild für eine neu zu schaffende, nationale und „volksverbundene“ Kunst in Anspruch genommen als auch gegen die „Entartungen“ der modernen Kunst ins Feld geführt werden. Im Zentrum der Publikation steht die Praxis der Mittelalter-Kunstgeschichte im Nationalsozialismus, ihre Vorgeschichte und unmittelbare Folge. Es geht um eine Analyse der Gegenstände, Begriffe, Methoden und Deutungsmuster, mit denen mediävistische Kunstgeschichte im Nationalsozialismus operierte. Ein zweiter Themenschwerpunkt liegt auf der Popularisierung des Mittelalterbildes in Schrifttum, Film und Veranstaltungen.
Der Kunsthandel sowie das Museums- und Sammlungswesen im Nationalsozialismus sind durch spektakuläre Restitutionsfälle in den Fokus gerückt. Die Konfiszierung und Zerschlagung privater, insbesondere jüdischer Sammlungen, der durch wirtschaftliche und politische Umstände bedingte Besitzwechsel und die im Rahmen der Aktion „Entartete Kunst“ beschlagnahmten Kunstwerke sind zentrale Aspekte dieses Themas. Während einige Händler von der Umverteilung und dem Interesse der nationalsozialistischen Elite profitierten, wurden andere aus dem Geschäft gedrängt oder arrangierten sich mit den Gegebenheiten. Trotz der Regulierung des Kunstmarktes gab es Handlungsspielräume, wie die Sammeltätigkeit von Joseph Haubrich oder dem Sammlerpaar Sprengel zeigt, die belegen, dass es auch nach der Machtübernahme einen Markt für „entartete“ Kunst gab. Die Biografien von Kunsthändlern wie Günter Franke und Hildebrand Gurlitt verdeutlichen die Herausforderungen, die Händler für ihre Künstler meisterten, sowie die Risiken und Kompromisse, die sie eingingen, um ihre Geschäfte fortzuführen. Die in diesem Band versammelten Aufsätze bieten anhand von Fallbeispielen einen eindrucksvollen Einblick in das Kunsthandeln und -sammeln während des Nationalsozialismus bis in die Nachkriegszeit und analysieren die Auswirkungen der nationalsozialistischen Kunstpolitik auf die Jahre nach 1945.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges im Mai 1945 und der Distanzierung vom nationalsozialistischen Regime und seiner (Kunst-)Politik erfuhr die während des Nationalsozialismus als „entartet“ gebrandmarkte Kunst – insbesondere der Expressionismus – eine Rehabilitierung. In allen vier Besatzungszonen wurden die noch kurz zuvor diffamierten Künstler in ersten Präsentationen gewürdigt und aktiv in den kulturellen Wiederaufbau des Landes eingebunden. Dies änderte sich mit der zunehmenden Verschärfung des Ost-West-Konfliktes um 1947/48, bei der sich die bis dahin positive Interpretation der modernen Kunst des ersten Jahrhundertdrittels in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und später in der DDR in ihr Gegenteil kehrte. Die Publikation untersucht die politisch-ideologische Inanspruchnahme der während des Nationalsozialismus als „entartet“ diffamierten Kunst nach 1945 in der SBZ und frühen DDR. Dabei wird die kulturpolitische Vereinnahmung und Rezeption dieser Kunst in den westlichen Besatzungszonen und in der frühen Bundesrepublik vergleichend miteinbezogen. Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen die Museen, die sich nach 1945 darum bemühten, ihre Sammlungen erneut für die Kunst der Moderne und Gegenwart zu öffnen.