Marie Luise Lange Livres




Performative Prozesse setzen auf den Fluss des Ereignishaften, Temporären und Intermedialen. Dabei stiften sie enge Korrespondenzen zwischen Kunst und anderen Wissens- und Lebensbereichen. Aktionskunst und Performance Art, als spezifisch künstlerische Verfahren des Performativen, referieren auf die Bedeutsamkeit von körperlichem Handeln, Materialexperiment und dem Gespür für räumliche Atmosphären und Zeit. Mit Ihren oft rätselhaften, poetisch oder radikal-schmerzhaft erlebbar gemachten Handlungsszenarien bringen sie eingespielte Wahrnehmungsgewohnheiten zum Kippen und eröffnen Akteuren wie Rezipienten neue Möglichkeitsräume des Denkens und Verhaltens. Als innovative fächerübergreifendeProzesskunstverfahren sind performatives Agieren und Performance Art heute feste Bestandteile ästhetischer Bildungsprozesse an Schulen, Hochschulen und in anderen kulturellen Bereichen. In diesem Buch geben Künstlerinnen und Kunstvermittlerinnen, die in der künstlerischen Lehre tätig sind, Einblicke in ihre Performancekonzepteund stellen Beispieleaus ihrer Performancelehre mit Jugendlichen und Erwachsenen vor.
Die Geschichte von Aktionskunst und Performance im 20. Jahrhundert schreibt sich als wechselhafte Abfolge lebender Bilder und intermedialer Handlungen. Performative und ästhetische Phänomene durchdringen aber auch den gesellschaftlichen Alltag und prägen jugendliche Lebenswelten. Diese Erfahrungswerte fanden bisher kaum Eingang in ästhetische Bildungsprozesse. Doch das Spielpotenzial von Kindern und Jugendlichen birgt einen Kosmos an Inszenierungs- und Verwandlungsmustern wie auch heimlichen Imaginations- und Darstellungswünschen. Empirische Beispiele belegen, dass Performancetätigkeit mit Kindern und Jugendlichen nicht nur überraschende Handlungskonzepte hervorruft, sondern auch experimentelle Räume für die Suche nach Selbstidentifikation und -entfaltung eröffnet. MARIE-LUISE LANGE, geb. 1955, studierte Germanistik und Kunstpädagogik in Berlin. Zwei Kinder. 1985 Promotion. Seit 1990 eigene Performances, 1992-1998 wissenschaftliche Assistentin an der Universität Gießen, diverse Performanceseminare und -auftritte. 2000 Habilitation an der Universität Gießen zum Thema Performance; Professorin für Theorie künstlerischer Gestaltung und Kunstpsychologie an der TU Dresden.