Alwin Pedersen Livres





Mehr als irgendein anderer Landsäuger der Arktis sucht der Eisfuchs die Nähe des Menschen. Überall, selbst in den abgelegensten Gegenden seines weiten Verbreitungsgebietes findet er den Polarreisenden und folgt ihm unermüdlich, stets in der Absicht, von ihm zu gewinnen, ihn in unbewachten Augenblicken zu bestehlen. Im Nachfolgenden berichtet der Verfasser aus eigenen Erlebnissen über die nicht uninteressante Lebensweise dieses begehrtesten aller arktischen Pelztiere, über seine beispiellose Anpassungsfähigkeit und seinen unermüdlichen Erhaltungstrieb, die es ihm ermöglichen, unter den verschiedensten Verhältnissen den nahrungsarmen eisigen Winter in den unermeßlichen Eisfeldern seiner arktischen Heimat zu überstehen. Aber so groß seine Verbreitung auch ist und so vielseitig und anpassungsfähig er sich auch zeigt, so bleibt er doch überall derselbe.
Walrosse, die an den Küsten der in der Arktis liegenden Inseln und Festländer leben, gehören zu jenen Säugetieren, die sich nach einer Entwicklungsperiode auf dem Lande wieder in das Wasser begeben und ihren Körper vollständig dem Leben im Eismeer angepaßt haben. Die zu den Robben zählenden Warmblüter, die unter Tieren keine Feinde haben, nähren sich von Mollusken. Sie leben im Familienverband in großen Herden und gehen zum Schlafen und Ruhen auf das Land, wo sie eine leichte Beute der Menschen werden. Seit Tausenden von Jahren ist der riesige Dickhäuter den Bewohnern der nördlichsten Gebiete der Erde bekannt. Das Elfenbein seiner Stoßzähne bildete ein wertvolles Handelsobjekt. Für Europäer blieb das Tier jedoch durch lange Zeit sagenhaft, bis im Anfang des 17. Jahrhunderts englische Seeleute zum ersten Mal auf der Bären-Insel unabsehbare Scharen der Walrosse entdeckten. Damit begann eine rücksichtslose Dezimierung ihrer Bestände, die ihre Vermehrungsrate weit überstieg, so daß heute wieder Schutzmaßnahmen notwendig sind, um ein Aussterben der Tiere, die für manche Stämme der Eskimos die Existenzgrundlage bilden, zu verhindern.
Der Moschusochs durchzieht sowohl einzeln als auch in Rudeln oder größeren Herden die weltfernen Einöden seiner hochnordischen Heimat. Er ist der einzige Landsäuger, der den arktischen Winter in seiner am meisten gefürchteten Form durchmachen muß. Wenn heftige Schneestürme tagelang durch das Land rasen, muß er an den am meisten ausgesetzten Stellen nach Äsung suchen; denn nur dort kann er sie finden. Anscheinend ficht ihn das aber wenig an. Weit unangenehmer sind ihm Klimawechsel, ist ihm die sommerliche Wärme. Mehrere Grönlandreisen boten dem Verfasser immer wieder die Möglichkeit, das Leben der Tiere in Freiheit zu beobachten und neue Erkenntnisse zu sammeln. Ganz ausgezeichnet sind die einmaligen Aufnahmen.
In diesem Band der Neuen Brehm-Bücherei gibt der Verfasser einen Überblick über die in den nordpolaren Meeren lebenden Arten der Ohrenrobben und Hundsrobben. Nur bei den Seebären und Seelöwen werden die in den Südmeeren lebenden Arten kurz mit erwähnt. Für jede Art werden die Verbreitungsgebiete, Verhaltensweisen, Fortpflanzung und Aufzucht der Jungen behandelt. Auf die wirtschaftliche Bedeutung der Tiere als Pelzlieferanten und als Nahrungsgrundlage für viele Eskimostämme geht der Verfasser besonders ein, gab der hemmungslose Raubbau an den Beständen durch Robbenschläger doch oft genug Anlaß zu weltweiten Protesten. In diesem Zusammenhang sind die nach neueren Unterlagen zusammengestellten Angaben über die Stärke der Populationen von großem Wert. Der besondere Reiz der Darstellung liegt in den persönlichen Eindrücken, die der Autor auf vielen Expeditionen nach Grönland, Spitzbergen usw. gewonnen hat und die er geschickt in die Darstellung einbezieht. Unter den Aufnahmen befinden sich Naturdokumente von ungewöhnlicher Aussagekraft.